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Birlinghoven

Funde aus der hiesigen Gegend beweisen, dass das heutige Birlinghoven schon in der älteren Steinzeit bewohnt war. Allem Anschein nach haben Neandertaler auch dieses Gebiet berührt oder zumindest durchzogen.

am Wasserschloss Birlinghoven

Aus der Bronzezeit stammt ein außergewöhnlicher Fund, der heute im Römisch-Germanischen-Museum in Köln ausgestellt ist: Bei der Errichtung eines Wasserreservoirs auf dem Gelände des Schlosses Anfang des 20. Jahrhunderts fand man ein weibliches Grab von ca. 500 v. Chr. mit gut erhaltenem Bronzeschmuck. Außergewöhnlich war die Entdeckung, da es sich offensichtlich um ein Körpergrab handelte, das heißt die Tote wurde nicht verbrannt. Normalerweise wurden um diese Zeit die Toten mit ihrer Kleidung, dem Schmuck und anderen Grabbeigaben verbrannt und die Reste in einer Urne begraben.

Dass die Kelten das Siegtal bewohnten, ist heute noch an verschiedenen Namen erkennbar, so Sigena (Sieg) oder Pleyse (Pleisbach), ebenso die Orte mit den Endungen lar und mar: Hangelar, Holzlar, Lohmar als Beispiele.

Die Kelten wurden von dem germanischen Stamm der Franken nach Süden verdrängt. Die ersten Siedlungen der Germanen (500 n. Chr.) tragen den Namen hoven. Das Wort bedeutet Hof und rührt vom (Pferde-)huf her. Es bedeutete die Größe des Hofes mit einem Ackergebiet für ein Pferd (40 60 Morgen). Diese Einzelhöfe legte ein Bauer seinem Sohn an, wenn zu Hause kein Platz mehr war. Um diesen Hof siedelten dann später weitere Bauern oder die Geschwister an. Ein solcher Ort war auch Birlinghoven als Hof der Berteling.

Haus und Dorf Birlinghoven werden in alten Urkunden Bertelinghoven und Birlinghausen genannt. 1117 übergab der Erzbischof Friedrich I. der Abtei Siegburg die ihm dafür resignierten Lehen in Weldenesberg, Rauschendorf und Bertelinghoven. Diese Ortschaften bildeten einen zusammenhängenden Komplex, deren Mittelpunkt Birlinghoven war. Besitzerin von Birlinghoven war im 15. Jahrhundert dann Maria von Merode. Durch Heirat und Vererbung wechselte das Gut häufig die (meist adligen) Besitzer. Anfang des 17. Jahrhunderts konnte man das Gebäude schon als stattliche Burg bezeichnen, die im Äußeren viel Ähnlichkeit mit Schloss Allner gehabt haben soll.

Die übrig gebliebenen Reste der Burg ließen auf eine gewaltsame Zerstörung der Anlage schließen. Als die Franzosen das linke Rheinufer besetzt hatten und den Krieg gegen Holland ausweiten wollten, besiegte General Schönigh die Franzosen bei Ürdingen am Niederrhein. Daraufhin mussten die Franzosen Richtung Süden weichen und erhielten die Anweisung des Generalquartiermeisters Chamlai, alle festen Plätze am Rhein, die den Deutschen später vielleicht mal zugute kommen könnten, restlos zu zerstören. Diese Anweisung wurde in vier Etappen erfüllt. Zwar ist hier Birlinghoven in den Überlieferungen nicht genannt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Burg nicht von den Franzosen verschont blieb. Um 1850 wurde durch den Verwalter der Rest einer alten Mauer oder eines Turmes abgebrochen. Der Wallgraben wurde zugeworfen und als Garten angelegt. Die Fundamente wurden entfernt und zum Bau eines neuen Hofes im Unterdorf als Baumaterial für Stall und Scheune verbraucht. Nur das Wirtschaftsgebäude blieb zur Bewirtschaftung des Gutes erhalten. Als Ersatz für die vergangene Burg lässt der Kölner Kaufmann Theodor Damian Rautenstrauch 1903 1905 das Kavaliershaus (Wasserschlösschen) errichten. Heute sind es nur noch einige Grundmauerreste der Burg im Bereich des heutigen Wasserschlösschens vorhanden.

Rautenstrauch war es auch, der zwischen 1901 und 1903 das Schloss Birlinghoven nach den Plänen des Kölner Architekten Edwin Crones bauen ließ. Als Vorbild dienten englische Landsitze. Die roten Steine, die beim Bau verwendet wurden, kamen extra aus England mit dem Schiff nach Bonn und wurden von dort mit Pferdefuhrwerken nach Birlinghoven gebracht. Pläne für eine große Parkanlage wurden nie realisiert. Seit 1968 befindet sich das Schloss im Besitz der Bundesrepublik Deutschland. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz.

Die am Bach gelegene Mühle, die ebenfalls zur Burg gehörte, wurde nach dem Hochwasser 1903 stillgelegt. Um das Jahr 1800 wurde von dem Lehrer Schliefer eine neue Flureinteilung und Bezeichnung der Gemarkung Birlinghoven vorgenommen. Zu den alten Bezeichnungen aus dem Volksmund kamen 65 amtliche Namen hinzu. Bis 1969 gehörte Birlinghoven dann der Gemeinde Stieldorf an.

Am 01. Mai 1890 fuhr erstmals ein Zug von Niederpleis nach Oberpleis. Der Ort bekam eine Bahnstation, die für das gesamte Hinterland von Bedeutung war. Der Handel mit Getreide, Kohlen, Baustoffen etc. wurde weitgehend von den Bürgern Birlinghovens für die gesamte Gemeinde getätigt. Es blieb daher nicht aus, dass um die Jahrhundertwende eine rege Bautätigkeit einsetzte und Birlinghoven durch die zentrale Lage bald der größte Ort der Gemeinde wurde.

Die Anzahl der Arbeitsplätze, außer der Landwirtschaft, waren bis 1945 sehr gering. Dieses änderte sich, als Karl Hennecke 1946 den Saal der Familie Meys pachtete und dort mit der Produktion von Holzbearbeitungsmaschinen anfing. Heute werden dort Maschinen zur Schaumstoffherstellung und verarbeitung gefertigt. Weitere Arbeitsplätze bietet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz im Schloss Birlinghoven. Nimmt man noch die kleineren Betriebe und Handwerker hinzu, sind in Birlinghoven fast genauso viele Arbeitsplätze wie Einwohner. Hier vollzog sich innerhalb von 25 Jahren der Übergang von reiner Landwirtschaft zur Industrialisierung und Forschung.

(Quellen: 100 Jahre Männerchor 1872 Birlinghoven, Stadtarchiv der Stadt Sankt Augustin)