
Die eigentliche Entwicklung des heutigen Sankt Augustin-Ort ist eng mit der Geschichte der Steyler Missionare verbunden.
Bereits in den Jahren 1903/04 suchte der Gründer der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SVD), A. Arnold-Janssen, einen Ort für eine Niederlassung in der Erzdiözese Köln. Nachdem Versuche in der Eifel, in Ramersdorf und in Niederdollendorf fehlgeschlagen waren, schaltete sich der spätere Pfarrer von Hangelar, der geistliche Rektor Franz Jacobi, in die Verhandlungen ein. Er schrieb an das Mutterhaus und warb für seinen Ort.
Nachdem man über mehrere Neubauten bzw. über die Übernahme älterer Gebäude in Hangelar nachgedacht hatte, machte Franz Jacobi die Steyler auf ein Grundstück aufmerksam, das genau auf der Gemeindegrenze zwischen Hangelar und Siegburg-Mülldorf liegt. Im Mai 1912 war es dann endlich soweit. Man hatte sowohl die kirchliche als auch die staatliche Genehmigung der preußischen Staatsregierung für eine Niederlassung in Hangelar zum Zweck der Aushilfe in der Seelsorge und als Heim für erholungsbedürftige Ordensangehörige. Im Sommer des Jahres 1913 begann man mit dem Bau des Hauses. Die kanonische Errichtung des Hauses auf den Namen des Heiligen Augustinus erfolgte am 3. Dezember 1913 durch P. Generalsuperior Blum.
Als man für die hiesige Niederlassung der Steyler Mission einen Namen suchte, der dem Programm und der Zielsetzung des Hauses entsprechen musste, gab es mehrere Vorschläge. Ursprünglich wollte man den Apostel Paulus nehmen, letztendlich hat man sich jedoch für den Heiligen Augustinus entschieden.
Viele Nachbarn hatte das Kloster zu dieser Zeit noch nicht. Aber mit der Zeit kamen immer mehr hinzu. Bereits 1921 gelangt das Gebiet zur postalischen Bezeichnung Sankt Augustin".
Der ehemalige Bürgermeister Gatzweiler erinnert sich 1994 an die Gebietsreform von 1969: Somit wurden wir Großgemeinde es fehlte nur noch der Name. Die Namensgebung war wichtig für die neue Identität, und alle alten Gemeinden mussten sich damit anfreunden können... Am Ende gab es zwei Alternativen: Menden oder Sankt Augustin. Der Name Sankt Augustin hatte die Besonderheit, nicht zu den sieben Herkunftsgemeinden zu gehören. Es war lediglich die Ortsbezeichnung des Dreiländerecks Hangelar-Mülldorf-Niederpleis, zustande gekommen durch die Einrichtung eines Ordenshauses der Steyler Missionare im Jahre 1913 mit dem Heiligen Augustinus als Hauspatron.
Durch Mehrheitsbeschluss der Amtsvertretung wurde der Name Sankt Augustin für die neue Großgemeinde festgelegt und im Neuordnungsgesetz von 1969 verankert. So wurde am 01. August 1969 die Großgemeinde Sankt Augustin ins Leben gerufen. Sie besteht aus den ehemals zum Amt Menden gehörigen Ortsteilen Buisdorf, Hangelar, Meindorf, Menden, Mülldorf und Niederpleis. Hinzu kommt Birlinghoven (bis 1969 zu Stieldorf/Königswinter gehörend) und der neu geschaffene Ortsteil Sankt Augustin-Ort. Die Friedrich-Wilhelms-Hütte wird an Troisdorf abgegeben und Holzlar (nach Bürgerentscheid) Bonn zugeschlagen. An dieser Situation hat sich bis heute nichts verändert.

Nahezu die gesamte Bebauung des jüngsten Stadtteils stammt aus dem 20. Jahrhundert. Da wäre zunächst das Areal der Steyler Missionare zu erwähnen - wozu auch u. a. das Missionspriesterseminar, das Ethnologische Museum Haus Völker und Kulturen", das Anthropos-Institut, die heutige Steyler Bank und ein Buchladen zählen. Mit dem Erholungshaus bzw. dem Missionspriesterseminar begann 1912 die eigentliche Entwicklung des heutigen Sankt Augustin-Ort.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt sofort das moderne Sankt Augustin mit seinem 1977 aus dem Boden gestampften Zentrum und einigen Institutionen am Rande. Beispielsweise sind hier heute drei Schulen anzutreffen, ebenso das Kinder-Herz-Zentrum, die Kinderklinik, ein Hospiz des Johanniter-Ordens, das Finanzamt, die Polizei und der GMD-Technopark. Nicht zu vergessen sei die Konrad-Adenauer-Stiftung, die ihrerseits gleich am Rande des eigentlichen Zentrums steht.

(Quelle. Stadtarchiv Sankt Augustin)